Archive for the ‘Technokratie’ Category

Dieser Post ist Heinz Wittenbrinks LV “Medientechnik und Medienpraxis” an der FH Wien gewidmet.

Thema der letzten Einheit MTMP waren Suchmaschinen, bzw. der effiziente Umgang mit selbigen. Als Hausübung sollten wir nach einem Thema unserer Wahl mit Hilfe verschiedener Suchmaschinen und Techniken suchen. Getestet habe ich Marktführer Google, Bing, sowie die “safe search” Alternative ixquick, die selbsternannte “diskreteste Suchmaschine der Welt”. ixquick speichert im Gegensatz zu Google & Co. keine Nutzerdaten. Ob der diskrete Musterschüler in der Praxis etwas taugt, wird sich weisen.

Aus aktuellem (traurigem) Anlass wählte ich als Suchbegriff Tucson, Arizona.

Bing spuckt als Top-Treffer erwartungsgemäß den Wikipedia Eintrag von Tucson aus. Auf den nächsten Plätzen folgen ein Reiseführer von usatourist.com, der Wikipedia Eintrag über Arizona, sowie die Facebook-Präsenz der Stadt Tucson. Generell erscheinen die Suchergebnisse sehr “sachlich”, es werden hauptsächlich Links zu Seiten geliefert, die Informationen zu Tourismus, Wetter und der Geschichte der Stadt liefern. Auf den ersten 3 Seiten findet sich kein einziges Suchergebnis, das auf die tragischen Ereignisse bei der Wahlverantsaltung von Gabrielle Giffords hinweist.

Ein ähnliches Bild bei der “sicheren” Suchmaschine ixquick: Nach den 4 gesponserten Links erscheint als Top-Treffer ebenfalls der Wikipedia Eintrag der Stadt Tucson, danach variieren die Ergebnisse allerdings. Es werden Links zur “Arizona Webcam”, der “Tucson, Arizona – United Church of God” (!), sowie eine Anzeige für einen “Hyundai – Tucson Arizona” (!!) geliefert. Die thematische Vielfalt der Links ist zwar breiter als bei Bing, aber auch irgendwie unbrauchbarer. Auch hier findet man auf den ersten 3 Ergebnis-Seiten keinen Hinweis auf das Massaker vom letzten Wochenende.

Und hier zeigt sich die große Stärke von Google. Zunächst wird dem Suchenden die geographische Position der Stadt von google maps gezeigt, daneben einige Bilder. Der Top-Treffer ist bei Google nicht der Wikipedia Eintrag (dieser kommt als Nr. 2 in deutscher, und als Nr. 3 in englischer Sprache), sondern die offizielle Seite der Stadt, visittucson.org. Nach den 3 Top-Links und einer Bilderleiste kommen schon die magischen Worte “News zu Tucson, Arizona” ins Spiel, darunter 3 Links zu topaktuellen Stories über das Blutbad von Welt Online, Spiegel Online und dem Online Kurier. Erst danach ähneln die Suchergebnisse wieder denen der anderen Suchmaschinen, sprich Links zu Seiten, die sich mit dem Tourismus, Wetter, etc. der Stadt Tucson befassen. Doch am unteren Ende der ersten Ergebnis-Seite trumpft Google nochmals auf: hier finden sich Videos zu den aktuellen Ereignissen in Tucson.

Gibt man bei Bing oder ixquick “Tucson, Arizona massacre” ein, bekommt man natürlich schon eher brauchbare Ergebnisse zu der Thematik (wobei insbesondere bei ixquick noch sehr kuriose Seiten erscheinen, z.b. als Treffer Nr. 2 ein Link zu einer CD-Rezension; der Zusammenhang mit Tucson bleibt schleierhaft.), doch der große Vorteil von Google liegt auf der Hand: Wenn man nach einem beliebigen Begriff sucht, bekommt man nicht nur allgemeine 08/15 Ergebnisse geliefert, sondern die aktuellen Nachrichten zu dem Thema gleich dazu. Wer nicht will, dass seine Daten gespeichert werden und sich auf die fragwürdigen Ergebnisse eines Anbieters wie ixquick verlässt, bleibt auf der Strecke. Denn hier muss man den Suchbegriff eng eingrenzen, um etwas sinnvolles zu bekommen, und selbst dann sind noch viele Links dabei, die so skurill wie unbrauchbar sind.

Ein weiterer Vorteil von Google besteht in den Adavanced Search Shortcuts (eine Liste hier). Will man etwa (aus welchem Grund auch immer) nur pdf Dateien zum Thema Tucson haben, gibt man “Tucson, Arizona filetype: pdf” ein. Ähnliche Befehle gibt es für verlinkte oder verwandte Seiten, Telefonbucheinträge, Wetter, etc. Für mich selbst habe ich noch keine sinnvolle Verwendung dieser Befehle gefunden, aber es ist zumindest gut zu wissen, dass diese Möglichkeit besteht, um das Suchergebnis sehr spezifisch einzugrenzen.

Als Fazit bleibt die nüchterne Feststellung, dass Google zu Recht Marktführer unter den Suchmaschinen ist. Schleißiger Umgang mit Kundendaten hin oder her, an Google führt kein Link vorbei.

hyder out.

Die spinnen, die Engländer. Während im deutschsprachigen Raum allgemeine Skepsis gegenüber Web-Enthüllungen herrscht und sich die Deutschen keusch ihre Häuser auf Google Street View verpixeln lassen, setzt der Inselbewohner auf totale Transparenz. Die Regierung des Vereinigten Köngreichs geht mit gutem Beispiel voran und stellt eine bemerkenswerte Website vor, auf der sämtliche Polit-Entscheidungen benutzerfreundlich abrufbar sein sollen.

data.gov.uk – so lautet die url, unter welcher die britische Regierung künftig blank ziehen wird (im Moment ist eine Beta-Version online). Ganz neu ist die Idee zwar nicht; schon jetzt kann der politisch interessierte Engländer (und auch jedeR andere) jede Menge an Datensätzen im Web finden, die über die Tätigkeiten der Regierung informieren. Das Revolutionäre an diesem speziellen Projekt soll jedoch sein, dass diese Daten in maschinenlesbarer Form vorhanden sein werden, wodurch eine Suchfunktion ermöglicht wird (Stichwort: Linked Data). Bisher waren diese government datasets vor allem in Form von PDF-oder Excel-Dateien abrufbar – das Springen zu speziellen Themenpunkten, die interessierten, war nicht möglich. Entwickelt wurde die Seite unter anderem von Tim Berners-Lee, dem Vater des World Wide Web.

Ein entscheidendes Novum bei data.gov.uk ist die Möglichkeit der User-Partizipation, wie es sie auf Regierungs-Websites bisher noch nie gab. Schon jetzt können Ideen vorgeschlagen, Daten nachgefragt und selbst entwickelte Apps geteilt werden. Wenn diese Möglichkeiten auch tatsächlich genutzt werden und die entsprechende Kooperation seitens der Regierung vorhanden ist, dann könnten die Engländer dem hoch demokratischen Gedanken des open governments schon sehr nahe kommen.

Die Seite soll mehr als reine Datenlawine sein – es wird nicht nur dargestellt, welche Steuergelder wofür verwendet werden, wie es auch schon in einigen anderen Ländern üblich ist (wir erinnern uns an die letztlich wieder eingestellte Offenlegung der EU-Agrarsubventionen). Es soll auch tägliche Updates zu Ministerräten, special adviser meetings u.ä. geben, sodass Fortschritte von Regierungsplänen nachverfolgt werden können. Dieser spezielle Punkt könnte besonders für Journalisten interessant sein, die sich mit der Politik Großbritanniens beschäftigen. Was data.gov.uk im Speziellen für Journalisten bedeuten könnte, zeigt dieser Artikel von journalism.co.uk sehr schön auf.

Wenn dieses Projekt hält, was es verspricht, dann hat es das Zeug, ein bemerkenswertes Instrument gelebter Demokratie zu werden. Die Möglichkeiten des Web (2.0) wurden selten sinnvoller genutzt. Nachahmung empfohlen.

Anhang: Video einer Rede von Nigel Shadbolt (neben Tim Berners-Lee eine der Schlüsselfiguren hinter data.gov.uk), in der er das Konzept und die Motivation hinter dem Projekt erläutert. Mein Lieblingszitat daraus: “If people don’t know what you’re doing, they can’t blame you if it’s going wrong.”

hyder out.

Firefox add-ons

Posted: October 29, 2010 in FH Geschichten, Technokratie

Imzuge der Lehrverantstaltung Medientechnik und -praxis bei Heinz Wittenbrink haben wir uns u.a. mit Firefox/chrome add-ons auseinandergesetzt.

Ich nutze mittlerweile eine Vielzahl von praktischen Firefox add-ons, die rascheres Auffinden von Information ermöglichen.

Am meisten nutze ich das Google add-on, sehr häufig auch das Wikipedia add-on, Leo Englisch-Deutsch ist auch jederzeit “klickbereit” (auf die Schnelle kein Link gefunden), interessant vielleicht auch das add-on für das Urban dictionary, um englische ungangssprachliche Begriffe erklärt zu bekommen.

Weitere häufig von mir genutzte add-ons: YouTube, IMDB, last.fm

hyder out.