Generation Koralmtunnel – es fährt ein Zug ins Nirgendwo.

Posted: December 13, 2010 in anger management, Politics

Die heilige Kuh wird mal wieder zum Schlachthof geführt. Die SPÖ hat begonnen, ihre offenbar doch nicht so unumstößlichen Positionen zum Thema Studiengebühren zu revidieren.

Losgetreten von einem Kurier Interview mit Michael Häupl, können sich plötzlich SP-Bundesgeschäftsführer Kräuter sowie die restlichen 3 roten Landeshauptleute eine Wiedereinführung der Studiengebühren grundsätzlich vorstellen; natürlich “sozial verträglich” und nur für “Wohlhabende”. Die SP-Parteispitze, genauer Laura Rudas und Werner Faymann beteuern zwar, Studiengebühren seien “derzeit kein Thema”; hier liegt die Betonung aber vermutlich auf “derzeit”. Wie die Sache nach 2013 aussehen wird, bleibt abzuwarten.

Denn dann ist der Koralmtunnel noch immer nicht fertig. Die veranschlagten Baukosten von 5,2 Milliarden Euro werden zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon auf die 11,2 Millarden gestiegen sein, die Verkehrsexperte Hermann Knoflacher für den wahrscheinlicheren Kostenpunkt hält. Der gesellschaftliche Nutzen des Prestigeprojektes ist umstritten. Während die Koralm-Befürworter hervorheben, dass sich die Fahrtzeit Graz-Klagenfurt um 2 Stunden verkürzen werde, streicht die ÖBB die direkte Zugverbindung zwischen Linz und Graz. Nicht mehr rentabel. Warum soll die Verbindung Graz-Klagenfurt um so viel rentabler sein?

Das Prestigeprojekt Koralmbahn ist der Regierung jedenfalls 65-mal mehr wert als die Sanierung des Uni-Systems. 300 Millionen Euro wurden von den Unis gefordert, um die größten Defizite zu stopfen, 80 sind es im aktuellen Budget geworden. Im Gegenzug wurde den über 24-jährigen die Familienbeihilfe gestrichen. Wenn sich die SP-Postitionen weiter aufweichen, steht neuen Studiengebühren spätestens nach 2013 nichts mehr im Wege. Schon jetzt sind horrende Erhöungen der Studiengebühren äußerst en vogue in Europa, aktuell zu beobachten in Italien und Großbritannien. Studieren als elitäres Privileg für Leute die sichs leisten können. Warum nicht auch in Österreich?

Die Leidtragenden sind die Studenten. Zugegeben, wir sind leichte Opfer. Keine Lobby, die uns den Rücken stärkt. Unser Image in der allgemeinen Bevölkerung ist auch schlecht. Unsere Forderungen finden wenig Anklang, weil wir eh alle faul sind und es uns den ganzen Tag gut gehen lassen. Vorausgesetzt wir bequemen uns überhaupt einmal aus dem Bett. Und trotzdem sind wir das zukünftige geistige Kapital eines Landes, das ansonsten keine nennenswerten Ressourcen besitzt. Die politische Klasse sollte sich irgendwann genauer überlegen, wie viel ihr das wert ist.

In der Zwischenzeit freuen wir uns auf unser nächstes Leben als Tunnel.

hyder out.

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